Kommentar zum Test von ADAC / Stiftung Warentest vom Juni 2012

 

Die Testergebnisse von 33 Kinderrückhaltesystemen veröffentlichten ADAC und StiWa in ihren Heften vom Juni 2012, wobei der ADAC für ausführliche Informationen auf die eigene Website www.adac.kindersicherung verweist

Uns fällt auf, dass verschiedene Hersteller mit ihren Produkten in jeder Gewichtsklasse vertreten sind, die ebenfalls interessanten und neuen Produkte anderer Anbieter wurden jedoch ignoriert. Ebenso finden rückwärts gerichtete Systeme für größere Kinder keinerlei Beachtung, obwohl die Nachfrage stetig steigt und der rückwärts gerichtete Kindersitz besonders beim Frontcrash klar im Vorteil ist. Nicht umsonst sind Änderungen der ECE Normen in Vorbereitung, mit dem Ziel die Kleinen länger entgegen der Fahrtrichtung zu befördern.

Insgesamt ist nicht nachvollziehbar nach welchen Kriterien ADAC / StiWa ihre „Testkandidaten“ auswählen.

Ein altes Thema ist der fehlende Seitenschutz, wenn bei Systemen der Gr. 2 / 3 die Lehne abgenommen wird und der Testdummy ungeschützt an die Seitenscheibe des Fahrzeugs prallt. Betroffen sind diesmal zwei Graco Modelle, bei denen die Lehne abgenommen werden darf. Der ADAC fordert, dass diese  reinen Sitzerhöher ohne Lehne vom Markt genommen werden.

Konsequenterweise müsste der ADAC dann aber auch größere und höhere Systeme fordern, denn tatsächlich sind die derzeitigen Kindersitze für Kinder bis 150 cm zu klein bzw. die Rückenlehne zu kurz. Somit bleibt oft gar keine andere Lösung als zum einfachen Sitzkissen zu greifen. Praktikabler wäre es, für die Sitzerhöher eine eigene Gewichtsgruppe (z.B. Gruppe 4) zu schaffen und die Verwendung erst ab 30 kg zu erlauben. Damit wäre gewährleistet, dass der Umstieg aus dem Gruppe 1 System nur noch in einen Kindersitz mit Rückenlehne erfolgen kann. Weiterhin müsste gewährleistet sein, dass die Rückenlehne nicht zu entfernen ist und dass das Prüfetikett nicht am Sitzunterteil angebracht wird.

In der Praxis wird nämlich von vielen Eltern einfach und entgegen der Bedienungsanleitung die Rückenlehne abgenommen und der Sitz als reine Sitzerhöhung verwendet. Technisch ist das ganz einfach möglich und das Prüfetikett befindet sich weiter an dem verwendeten Unterteil.

Positiv ist das Urteil des Maxi-Cosi Rodifix, wobei es sich hier um den im letzten Jahr „durchgefallenen“ FeroFix handelt. Gleicher Sitz, neuer Bezug ohne Schadstoffe und ein neuer Name – fertig.

Ob und wie der Fangkörperspezialist Kiddy auf das schlechte Abschneiden seines Guardianfix Pro reagiert, muss abgewartet werden.

Das Titelbild des Testes bei StiWa zeigt den durchgefallenen Kiddy Guardiandix Pro. Allerdings ist der Sitz für den darin sitzenden kleinen Dummy völlig falsch eingestellt. Wir wissen nicht, ob der Test in dieser Konstellation gefahren wurde. Wenn ja, läge ein grober Fall von "Misuse" vor.

 

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