Kommentar zum Kindersitztest 2009

 

Wie in den Vorjahren veröffentlichten Stiftung Warentest / ADAC, ÖAMTC u.a. Ende Mai den diesjährigen Kindersitztest.

Die ADAC Zeitschrift „motorwelt“ zeigt sich gewohnt spartanisch und widmet dem Test gerade mal eine Seite. Die Veröffentlichungen im Internet sind schon etwas aufschlussreicher, reichen aber nicht an die Hintergrundinformationen der Stiftung Wartentest im Heft 06/2009 heran.

ISO-Fix gilt als besonders sicher, über die starre Verbindung nimmt der Kindersitz direkt an der Fahrzeugverzögerung teil. Zusätzlich wird das Fehlbedienungsrisiko deutlich vermindert und besonders bei Babyschalen das Handling sehr erleichtert. So war es zumindest bisher.

Dass es leider auch anders geht, zeigen die diesjährigen Tests auf. Auch Iso-Fix Systeme offenbaren Schwächen. Es darf nicht sein, dass die Iso-Fix Verankerungen der Kindersitze zu schwach sind, Sitze sich von der Basis lösen oder integrierte Gurte reißen. Der Kunde hat beim Kauf keine Chance, diese Schwachstellen zu bemerken.

Warum kommen bei diesen Mängeln überhaupt solche Systeme auf den Markt? Auch hier liefern die Tester die Antwort mit.

Schuld ist das ECE Reglement, nach dem Kinderrückhaltesysteme (KRS) zugelassen werden. Die ECE 44-04 Prüfnorm ist lediglich ein Kompromiss der Mitgliedsstaaten auf niedrigem Level. Die Prüfkriterien liegen deutlich unter denen von ADAC / StiWa. Einen Seitencrash gibt es nicht.

Somit ist es durchaus möglich, dass ein System zwar den gesetzlichen Anforderungen genügt, bei höherer Belastung aber versagt.

Außerdem wird der Markt immer unübersichtlicher und, immer mehr Anbieter springen auf den „Iso-Fix Zug“ auf und es kommen qualitativ fragwürdige Produkte auf den Markt.

Auch wenn die Anbieter der betroffenen Systeme bereits nachgebessert haben,  sollte man vom Kauf eines solchen Produkts absehen, denn ob diese Änderungen tatsächlich die aufgezeigten Sicherheitsdefizite beseitigt haben kann erst ein weiterer Test belegen. Auch ist es ungewiss, ob man beim Kauf das „alte“ oder bereits das überarbeitete Modell bekommt.

Es fällt auf, dass auch „Nicht Iso-Fix“ KRS gute Bewertungen erhalten. Warum denn dann zum deutlich teureren Iso-Fix greifen, werden sich viele Eltern fragen. Beim Test werden alle Systeme von Experten eingebaut. Fehler bei der Montage und beim Anschnallen der Testpuppe sind damit ausgeschlossen. In der Praxis sind aber rund 60 Prozent aller Kinder fehlerhaft gesichert, was u.a. auch an Einbaufehlern und Inkompatibilitäten zwischen Fahrzeug und Kindersitz liegt.

Die Testergebnisse lassen sich auch keineswegs auf alle Fahrzeuge übertragen. Anders bei Iso-Fix. Die Fehlerquote wird durch die genormte Steckverbindung deutlich gemindert. Außerdem geben die beigefügten Fahrzeugtypenlisten Aufschluss, ob der Kindersitz für das entsprechende Fahrzeug geeignet ist.

 

Unser Tipp:
Orientieren Sie sich an den Testurteilen aber nicht nur am Gesamturteil sondern eher an den Kategorien Sicherheit beim Front- und Seitencrash. Die anderen Kriterien, wie Komfort, Bedienung und Anleitung, die mit in die Endbewertung einfließen, sind eher subjektiv und hängen sehr vom Verständnis des „Einbauers“ ab.

Entscheidend ist, dass das KRS in Ihrem Fahrzeug sicher zu befestigen ist und dass Sie damit zu recht kommen. Deshalb ist ein Probeeinbau im eigenen Fahrzeug unbedingt erforderlich.

Noch eine Anmerkung zu Kindersitzen für die Größeren in der Gr. 2 und 3, bei denen die Rückenlehne ab einem gewissen Gewicht entfernt werden darf. Wie üblich hat ein solches Modell, aufgrund des bei entfernter Rückenlehne fehlenden Seitenschutzes mit mangelhaft abgeschnitten. Viele Kindersitzhersteller untersagen deshalb in ihren Bedienungsanleitungen das Abnehmen der Rückenlehne, obwohl es technisch einfach möglich ist.

Oft ist aber eine reine Sitzerhöhung für viele Eltern die einzige Möglichkeit um der „Kindersitzbenutzungspflicht“ nachzukommen. Denn für viele Kids, knapp unter 150 cm, sind die Systeme mit Rückenlehne einfach zu klein und zu eng. Ein Lösungsansatz wäre. für die Sitzerhöher ohne Lehne eine neue Gewichtsgruppe (z.B. Gruppe IV (ab 28 kg).zu definieren. Damit wäre auch der oftmals vorgenommene viel zu frühe und kritische Umstieg von der Gruppe 1 auf eine Sitzerhöhung ohne Seitenschutz nicht mehr möglich.

 

< Zurück