Kommentar zum Kindersitztest 2005
Der schon traditionelle Kindersitztest von ADAC, Stiftung Warentest, ÖAMTC (www.oeamtc.at) und vielen anderen Instituten wurde in den Juni Ausgaben von ADAC und Stiftung Warentest veröffentlicht, wobei der ADAC diesem wichtigen Thema leider nur eine einzige Seite widmet, obwohl sich - Auszug aus der ADAC Motorwelt - "seit dem letzten Test vom Juni 2004 einiges getan hat."
Beachtenswert ist unserer Meinung nach die Empfehlung im ADAC Artikel:
"Wegen der 5 mal geringeren Halsbelastung sollten Kleinkinder mit zarter Halsmuskulatur in einer gegen die Fahrtrichtung eingebauten Babyschale so lange belassen werden bis der Kopf des Kindes den oberen Schalenrand erreicht hat. Erst dann sollte in einen vorwärts gerichteten Sitz umgestiegen werden"
Ob das Kind zum Zeitpunkt des Umstiegs schon sitzen kann, ob es sich um eine kleinere Babyschale handelt (vgl. hierzu www.kvw-mhm.de/kindersitz/Vergleich_Babyschale.htm) oder auch die gesamte Entwicklung des Kindes scheint dem ADAC nicht weiter erwähnenswert. In der Praxis zeigt sich allerdings sehr oft, dass Kinder mit dem Köpfchen den Rand der Babyschale erreicht haben, ohne von ihren Voraussetzungen bereits in Fahrtrichtung sitzen zu können.
In einem solchen Fall sollte unbedingt weiterhin noch ein rückwärtsgerichtetes System benutzt werden.
Leider gehen die Tester auch nie auf Größenunterschiede bei den einzelnen Sitzen ein. So ist es doch ganz entscheidend wie lange ein Kind in seinem Sitz verbleiben kann, ohne dass ein zu früher Umstieg in die nächste Gewichtsklasse erfolgen muss. Und leider halten sich unsere Kinder auch meistens nicht an die von der ECE-Prüfnorm festgelegten Größen und Gewichte
Insgesamt positiv ist, dass es, im Gegensatz zum Test vom Januar 2005, keine wirklichen "Durchfaller" gab.
Getestet wurde wieder, wie im Vorjahr, auf einer Golf 4 Karosserie. Der Römer Duo Plus Isofix erhielt hierbei mit 1,7 (Stiftung Warentest) die beste Note. Erreicht wurde diese Verbesserung zum Vorjahr, weil diesmal als dritter Befestigungspunkt (neben der eigentlichen ISOFIX Anbindung), der Top Tether, verwendet wurde.
Tatsächlich verfügt der Golf 4 aber gar nicht über diese Möglichkeit diesen zusätzlichen Spanngurt zu benutzen. Der DUO ISOFIX ist in diesem Pkw fahrzeugspezifisch zugelassen und wird nur mit ISO-Fix montiert.
Wer sich die Mühe macht, wird unter www.adac.de/tests/Kindersitze/kindersitze_2005 zu jedem getesteten Kindersitz interessante Anmerkungen finden.
So z.B. hat der Ultimax von Concord eine sehr leicht verständliche Bedienungsanleitung. Gleichzeit besteht aber auch angeblich die große Gefahr der Fehlbedienung. Wie passt dies zusammen??
Beim Wavo / Bimbo Fix wird der aufwendige Sitzeinbau bemängelt. Das können wir nicht nachvollziehen - innerhalb einer Minute sind sowohl das Basisgestell wie auch der Sitz selbst montiert
Interessant ist auch die im Internet bei ADAC und ÖAMTC nachzulesende Interpretation des Testergebnisses vom gleichen Sitz. Der ADAC bescheinigt dem Wavo / Bimbo Fix geringe Belastungswerte im Front- und Seitencrash. Der ÖAMTC dagegen stellt beim Frontcrash erhöhte Belastungswerte fest. Die Stiftung Warentest sieht das Verhalten des Sitzes beim Frontcrash als "befriedigend" an. Einen ungünstigen Gurtverlauf stellen wiederum ADAC und ÖAMTC festf. Tatsächlich wird bei der ISO-Fix Montage der Fahrzeuggurt überhaupt nicht benötigt.
Da erscheint uns die Montage des Römer DUO ISOFIX zusammen mit Top Tether doch etwas umfangreicher (von der Gefahr der Fehlbedienung mal abgesehen - wenn nämlich der Gurt entweder gar nicht benutzt wird - bzw. nicht richtig angespannt ist).
Voraussetzung für die problemlose Montage aller ISO-Fix Systeme ist natürlich, dass die Anbindungen im Fahrzeug einfach zu erreichen sind. Und dies ist keineswegs bei allen Pkw der Fall. Bei machen Fahrzeugen muss sogar das Polster aufgeschnitten werden.
Vielen Modellen wird "vorgeworfen", dass die Sicht des Kindes nach außen leicht beeinträchtigt ist. Solche Anmerkungen sollten besser unterlassen werden, denn sie können dazu verleiten, Kindersitze zu verwenden, deren Seitenwangen nicht weit vorgezogen sind und die somit nicht diese Schutzwirkung haben.
Noch einige Randbemerkungen:
Stiftung Warentest gibt das Gewicht des Concord Ultimax mit 6,1 kg an. Da war wohl die Waage kaputt. Tatsächlich wiegt der Sitz mehr als das Doppelte (was aber keinen Nachteil darstellt)
Stiftung Warentest gibt in einer Tabelle auch die Namen der Modelle an, die in den Jahren 2003 und 2004 mit gut bewertet wurden. Offensichtlich ist hierbei ein Bild vertauscht worden. Aufgelistet wird der HTS BeSafe Izi Comfort - im Bild dargestellt aber der HTS BeSafe 1-2-3 Europe (der bekam "nur" ein befriedigend).
Und leider konnte man sich im deutschsprachigen Raum immer noch nicht auf eine einheitliche Bewertung einigen. Während ADAC und Stiftung Warentest für die Testsieger wieder ein "gut" vergeben, wird der gleiche Sitz vom ÖAMTC mit "sehr empfehlenswert" ausgewiesen. Und was in Deutschland als "befriedigend" gilt, ist dann in Österreich eben "empfehlenswert".
Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 02. Juni 2010 um 09:32 Uhr


