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Kommentar zum Kindersitztest 2004

Wie schon im Vorjahr veröffentlichten ADAC und Stiftung Warentest Ende Mai bzw. Anfang Juni die Ergebnisse ihres diesjährigen gemeinsamen Kindersitztestes (ADAC: und Stiftung Warentest jeweils im Heft 06/2004). An diesem Kindersitztest waren, ebenfalls wie im Vorjahr, auch viele andere europäische Organisationen beteiligt, darunter natürlich auch der österreichische ADAC (ÖAMTC). Es bleibt anzumerken, dass besonders der Testbericht in der ADAC Motorwelt sehr spartanisch ausfällt. Erläuterungen und Details zu den Testergebnissen sucht man vergeblich - der ADAC verweist auf seine Internetseite.

Und wer nun einen Kindersitz erwirbt und sich zuvor die Ergebnisse des ÖAMTC (österreichischer ADAC) als Kaufentscheid herangezogen hatte, kauft zumindest subjektiv einen besseren Kindersitz als derjenige, der sich auf ADAC oder Stiftung Warentest bezieht. Denn ein "empfehlenswert" vom ÖAMTC klingt doch viel besser als ein "befriedigend".für den gleichen Sitz vom ADAC oder der Stiftung Warentest. Wann endlich werden die Bewertungen angeglichen?
Insgesamt gab es keine echten Ausreißer - d.h., selbst der am schlechtesten bewertete Sitz erhielt noch ein ausreichend. Die Testkriterien entsprachen denen des Vorjahres. (Test auf einem Gurtschlitten mit Golf IV Karosse).

Trotzdem bleiben wieder einige Fragen offen:
Die Beurteilung des Wavo Fix, der in der Sicherheitsprüfung ganz vorne landete, aber infolge möglicher "Misuse"-Gefahr deutlich abgewertet wurde, können wir nicht recht nachvollziehen. Dieser Kindersitz, samt ISO-Fix Gestell, wurde uns vom Hersteller für unser Beratungszentrum zur Verfügung gestellt und inzwischen in vielen Fahrzeugen mit ISO-Fix zur Probe eingebaut und die Kinder im Sitz angegurtet. Hierbei kam es nie zu Problemen mit dem zentralen Gurtversteller und auch zu keinen Schwierigkeiten beim Anspannen der integrierten Gurte.
Nach dem Test wollten wir die geschilderte Problematik nachvollziehen und haben den Bezug entfernt und wieder angebracht. Auch hierbei hatten wir keine Probleme.
Und noch einige kritische Fragen bzw. Bemerkungen zu diesem Test.
Der Wavo Fix taucht zweimal im Test auf - er wurde einmal mit dem ISO-Fix Gestell montiert und dann mit den Fahrzeuggurten. Einmal wird das Einsteigen / Anschallen mit gut und dann mit befriedigend bewertet. Wie kommt das beim genau gleichen Sitz?

Nur als Fußnote ist beim Wavo Fix vermerkt, dass bereits seit Mai 2004 der Zugang zum Zentralgurtversteller nach Angaben des Anbieters geändert ist, womit die beanstandete Misuse-Gefahr wohl nicht mehr gegeben gewesen wäre. Beim Wavo Kind fehlt diese Fußnote.

Bein Test im Vorjahr wurde das Gurtschloss moniert.. Das Schloss wurde inzwischen vom Hersteller ausgetauscht. Das Problem mit dem Zentralgurtversteller fiel offensichtlich damals nicht auf.

Insgesamt wurden 4 Babyschalen (natürlich alle in der Gr. 0 plus) mit gut bewertet. Drei von diesen wurden uns von den Herstellern freundlicherweise zur Verfügung gestellt. An der Qualität können wir nicht zweifeln aber schon beim Nebeneinanderstellen der 3 Schalen fielen uns Größenunterschiede auf, die, wenn das Baby recht groß ist, schon bald zu Problemen führen können. Näheres hierzu finden Sie hier:
Auf Seite 82 schreibt Stiftung Warentest, dass der Römer Duo der einzige ISO-Fix Sitz mit einer Freigabe für viele Fahrzeugtypen sei. Dies stimmt so nicht - der Wavo Fix ist laut Herstellerangaben (siehe www.mywavo.com) ebenfalls für eine breite Fahrzeugpalette zugelassen.

Beim Test 2003 wurde der Trimax von Concord mit ausreichend (4,2) bewertet. Grund war, dass das Sitzkissen auch alleine - also ohne die Rückenlehne verwendet werden kann. Beim HTS Besafe 1-2-3 (getestet 2004) kann ebenfalls die Rückenlehne abgenommen werden. Es reichte aber trotzdem noch zu einem befriedigend (3,5).

Recaro hat seinem Kindersitz "Start" geändert. Für die Kleinen von 9 - 18 kg ist jetzt ein Fangkörper erforderlich, durch den die Gurte geführt werden. Trotzdem kam es laut Test zu einem ungünstigen Beckengurtverlauf. Das war früher offensichtlich nicht der Fall, obwohl da schon Kinder ab 9 kg mit dem fahrzeugeigenen Dreipunktgurt gesichert werden durften.

Fazit:
Wie bereits oben erwähnt gab es bei den Systemen, die es in Österreich oder in Deutschland zu kaufen gibt, keine wirklichen "Versager". Stiftung Warentest veröffentlicht das Ergebnis von 16 getesteten Sitzen, beim ADAC waren es 17.

Laut ÖAMTC wurden aber insgesamt 27 Kindersitze getestet, wobei einige dieser Sitze aufgrund "erschreckender Mängel" durchgefallen seien. Da diese Systeme jedoch auf dem österreichischen Markt bislang nicht erhältlich waren, wurden hierzu auch keine Details veröffentlicht. (auch wir wissen nicht, um welche Anbieter und Modelle es sich handelt). Stiftung Warentest und ADAC machen ebenfalls keinerlei Angaben hierzu. Es besteht aber doch durchaus die Möglichkeit, dass über das Internet oder große Handelsketten auch diese Systeme auf den hiesigen Markt kommen. Somit wäre es doch hilfreich gewesen, vor diesen Modellen zu warnen. Dies wurde nicht getan. Warum???
In unserem Info-Zentrum werden die verschiedenen Kindersitze, die uns die Hersteller freundlicherweise zur Verfügung gestellt haben, täglich in die unterschiedlichen Fahrzeuge zur Probe eingebaut. Und verständlicherweise fragen unsere "Kunden" immer wieder nach den "Testsiegern" von ADAC und Stiftung Warentest. Somit sind diese Modelle logischerweise einer höheren mechanischen Belastung ausgesetzt und genau dieser waren sie im täglichen Gebrauch nicht immer gewachsen. Wir wollen damit keinesfalls die Qualität oder die Schutzwirkung dieser Kindersitze in Frage stellen sondern lediglich darauf hinweisen, dass auch die renommierten Testinstitute nicht alle Schwächen feststellen.