Kommentare zu den Testergebnissen
Lieber Besucherin, lieber Besucher,
seit vielen Jahren kommentieren wir die Kindersitztests der verschiedenen Institutionen und zeigten die Widersprüche in den Bewertungen auf. Bei vielen Testergebnissen stellten wir hierbei Ungereimtheiten fest. Die Testbedingungen waren oft identisch oder doch ähnlich - die Bewertungen oder zumindest die Interpretation der Tests wichen trotzdem oft voneinander ab. Dies führt natürlich zur Verunsicherung beim Verbraucher, denn der nach einem Test gekaufte, weil gut bewertete Kindersitz, war beim nächsten Test schon wieder weniger gut.
Sehr interessant in diesem Zusammenhang ist eine Studie des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V -Institut für Fahrzeugsicherheit- , München, vom Juli 2002. Hierin äußerten von 227 Befragten immerhin 12 %, dass sie in die vorhandenen Schutzsysteme nur teilweise Vertrauen haben, 11 % hatten sogar gar kein Vertrauen zu der Schutzwirkung der Rückhaltesysteme. Als Hauptgrund wurden die unterschiedlichen Testergebnisse angeführt.
Auch wenn von den Befragten rund 77 % von der Schutzwirkung der Kindersitze überzeugt waren, geben die restlichen 23 % doch zu denken. Hier sollte bei den Testinstituten doch endlich ein Umdenken einsetzen. Ein erster Schritt scheint mit den gemeinsamen Tests von ADAC und Stiftung Warentest 2003 in die richtige Richtung getan.
Um diese Seite jedoch noch einigermaßen überschaubar zu halten, haben wir uns entschlossen nur noch die aktuellen Tests von
- Stiftung Warentest
- ADAC
- Auto-Motor-Sport
zu kommentieren und andere "Tester" auszulassen.
Um es nochmals zu betonen, Kindersitztests sind wichtig und notwendig. Die Kindersitzhersteller sollen sehr wohl veranlasst werden, ihre Produkte immer weiter zu entwickeln und zu verbessern. Nur müssen Testergebnisse nachvollziehbar und in sich schlüssig sein.
Kommentar zum Test von ADAC / Stiftung Warentest vom Juni 2010
Pünktlich erschien der obligatorische Kindersitztest von ADAC, Stiftung Warentest, ÖAMTC. Und die Ergebnisse stehen im krassen Widerspruch zu den Resultaten, die Auto-Motor-Sport (ams) noch im Januar verkündete. Während ams im Hinblick auf die Sicherheit einen deutlichen Abwärtstrend festzustellen glaubte, sehen es StiWa / ADAC offenbar ganz anders.
Von 22 geprüften Modellen fiel tatsächlich keines wirklich durch. Die schlechteste Wertung war immer noch ein „ausreichend“.
Dagegen schaffte es AMS im Januar immerhin, von nur 10 ausgewählten Systemen insgesamt fünf als „nicht empfehlenswert“ einzustufen.
Die Testbedingungen waren in Anlehnung an die Tests nach EURO NCAP nahezu gleich.
Einige Anmerkungen zu den aktuellen Testergebnissen. von StiWa und ADAC.
Der ADAC fordert mit Recht die Aufnahme des Seitenschutztests in die gesetzlichen Prüfbestimmungen.
Eine Anpassung der Testdummies fordert der ADAC leider nicht. Tatsächlich entsprechen diese Testpuppen in Maßen und Gewichten keineswegs mehr dem realen Körperwuchs der Kinder.
Der genormte Dummy passt immer hervorragend in das für ihn vorgesehene System, nicht jedoch Kinder, die sich in ihrer Entwicklung nicht unbedingt an die vorgegebene Norm halten
Besonders drastisch wird dies bei Babyschalen. Erreicht der Kopf des Kindes den oberen Schalenrand, muss der Umstieg ins nächst größere System erfolgen.
Und bei zu kleinen (kurzen) Babyschalen erfolgt eben dieser Wechsel viel zu früh, was wiederum ein großes Gefährdungspotential mit sich bringt (vgl. Größenunterschiede bei Babyschalen)
Kinder müssen bis 150 cm oder 12 Jahren einen Kindersitz benutzen. Tatsächlich lassen sich aber die Rückenlehnen der Gr. 2/3 Systeme nicht so weit nach oben verstellen.
Warum ist es zulässig, dass einfachste Sitzerhöhungen schon für Kinder ab 15 kg benutzt werden können? Ein System mit einer verstellbaren Rückenlehne bietet besonders für die „Eintsiegskinder“ deutlich besseren Schutz. Sitzerhöhungen ohne Lehne (aber mit Führungshörnern) sollten erst für Kinder ab 25 kg die Zulassung erhalten.
Warum testet der ADAC nicht auch einfache Sitzerhöhungen? Die zu erwartenden Ergebnisse würde vielleicht manche Eltern zum Nachdenken bewegen.
Wir hegen die Hoffnung, dass der ADAC irgendwann diese Anregungen aufgreift.
Kommentar zum Kindersitztest der Auto-Motor-Sport vom Jan. 2010
Zitat aus der auto-motor-sport, Heft 3/2010, Seite 121:
"Es liegt die Vermutung nahe, dass manche Sitze auf das Erfüllen der laschen Zulassungs-Tests hin entwickelt worden sind und der an die Realität angelehnte auto motor und sport-Test offenbar nicht zum Entwicklungsprogramm gehört."
Dieser Vorwurf mag sicher nicht ganz von der Hand zu weisen sein, bedarf aber doch einiger Anmerkungen.
Die gesetzlich vorgeschriebene Testnorm ECE 44 ist tatsächlich auch in der aktuellen Version 04 nicht mehr als ein Kompromiss der Mitgliedstaaten auf recht niedrigem Niveau. ist es doch bislang noch nicht einmal gelungen einen Seitencrashtest mit in die Prüfnorm zu integrieren. Die Spreu trennt sich dann vom Weizen wenn, wie bei StiWA / ADAC weitaus härtere Testbedingungen zugrunde liegen. Jetzt wird nach den Kriterien von EURO NCAP (http://www.euroncap.com) getestet, also beim Frontcrash mit 64 km/h, beim Seitencrash mit 50 km/h.
Der Kindersitze Chicco Key 1 Isofix erhielt unter diesen Bedingungen im Test 2007 von StiWa und ADAC jeweils ein "gut". Der Recaro Polaric wurde 2008 getestet, mit befriedigend bei ADAC und StiWA. 2009 kam der mit Isofix montierte Concord Transformer XT bei StiWa und ADAC auf ein gut. Ohne Isofix, also nur mit dem Fahrzeugdreipunktgurt verwendet, gab es immer noch bei der StiWA ein "ausreichend".
Wer sich nach diesen Testresultaten in gutem Glauben einen Kindersitz gekauft hat, ist natürlich jetzt verunsichert, denn beim diesjährigen Auto-Motor-Sport (ams) Test versagten neben einigen anderen auch die oben aufgeführten Systeme völlig, obwohl der Frontcrash bei ams "nur" mit 51 km gefahren wurde.
Leider "verraten" uns die Tester kaum Details zu ihren Schlittenversuchen. StiWa / ADAC verwenden eine Opel Astra Karosse, ams nimmt einen Gurtschlitten, auf den die Karosserie eines Golf montiert wird. Durch die unterschiedlichen Fahrzeugtypen lassen sich aber die gravierenden Unterschiede bei denTestresultaten nicht erklären.
Tatsächlich sagt die Geschwindigkeit noch nichts über die wirklichen Belastungswerte aus. Weiterhin ist relevant wie lange die erreichte Spitzenbelastung (31 g bei ams / ca. 30 g bei StiWA und ADAC) auf das Sytem eingewirkt hat.
Wurde der Crash mit voller Überdeckung auf eine Barriere gefahren? Wie wurde die bei Kraftfahrzeugen vorhandene Knautschzone berücksichtigt? Welche Dummies wurden verwendet?Es ist also durchaus denkbar, dass der Test von ams insgesamt noch weitaus härtere Ansprüche an die Testprobanten stellte, obwohl die Geschwindigkeit sogar 13 km weniger betrug. Dann stellt sich allerdings die Frage, ob es Sinn macht immer den "worst case" zu simulieren und ob der die Realität darstellt.
Völlig außer Acht gelassen hat die ams allerdings den Seitencrash, ein Unfall der in der Praxis sehr oft vorkommt. Unserer Meinung sollte nur ein System verwendet werden, das sowohl beim Front- wie auch beim Seitencrash schützt. Und solange ams bei ihren Testversuchen keinen Seitencrashtest simuliert, raten wir, sich eher an den Tests von StiWa bzw. ADAC zu orientieren.
Kommentar zum Kindersitztest 2009
Wie in den Vorjahren veröffentlichten Stiftung Warentest / ADAC, ÖAMTC u.a. Ende Mai den diesjährigen Kindersitztest.
Die ADAC Zeitschrift „motorwelt“ zeigt sich gewohnt spartanisch und widmet dem Test gerade mal eine Seite. Die Veröffentlichungen im Internet sind schon etwas aufschlussreicher, reichen aber nicht an die Hintergrundinformationen der Stiftung Wartentest im Heft 06/2009 heran.
ISO-Fix gilt als besonders sicher, über die starre Verbindung nimmt der Kindersitz direkt an der Fahrzeugverzögerung teil. Zusätzlich wird das Fehlbedienungsrisiko deutlich vermindert und besonders bei Babyschalen das Handling sehr erleichtert. So war es zumindest bisher.
Dass es leider auch anders geht, zeigen die diesjährigen Tests auf. Auch Iso-Fix Systeme offenbaren Schwächen. Es darf nicht sein, dass die Iso-Fix Verankerungen der Kindersitze zu schwach sind, Sitze sich von der Basis lösen oder integrierte Gurte reißen. Der Kunde hat beim Kauf keine Chance, diese Schwachstellen zu bemerken.
Warum kommen bei diesen Mängeln überhaupt solche Systeme auf den Markt? Auch hier liefern die Tester die Antwort mit.
Schuld ist das ECE Reglement, nach dem Kinderrückhaltesysteme (KRS) zugelassen werden. Die ECE 44-04 Prüfnorm ist lediglich ein Kompromiss der Mitgliedsstaaten auf niedrigem Level. Die Prüfkriterien liegen deutlich unter denen von ADAC / StiWa. Einen Seitencrash gibt es nicht.
Somit ist es durchaus möglich, dass ein System zwar den gesetzlichen Anforderungen genügt, bei höherer Belastung aber versagt.
Außerdem wird der Markt immer unübersichtlicher und, immer mehr Anbieter springen auf den „Iso-Fix Zug“ auf und es kommen qualitativ fragwürdige Produkte auf den Markt.
Auch wenn die Anbieter der betroffenen Systeme bereits nachgebessert haben, (der Automobilclub Luxemburg beschreibt sogar die inzwischen vorgenommenen Änderungen) sollte man vom Kauf eines solchen Produkts absehen, denn ob diese Änderungen tatsächlich die aufgezeigten Sicherheitsdefizite beseitigt haben kann erst ein weiterer Test belegen. Auch ist es ungewiss, ob man beim Kauf das „alte“ oder bereits das überarbeitete Modell bekommt.
Es fällt auf, dass auch „Nicht Iso-Fix“ KRS gute Bewertungen erhalten. Warum denn dann zum deutlich teureren Iso-Fix greifen, werden sich viele Eltern fragen. Beim Test werden alle Systeme von Experten eingebaut. Fehler bei der Montage und beim Anschnallen der Testpuppe sind damit ausgeschlossen. In der Praxis sind aber rund 60 Prozent aller Kinder fehlerhaft gesichert, was u.a. auch an Einbaufehlern und Inkompatibilitäten zwischen Fahrzeug und Kindersitz liegt.
Die Testergebnisse lassen sich auch keineswegs auf alle Fahrzeuge übertragen. Anders bei Iso-Fix. Die Fehlerquote wird durch die genormte Steckverbindung deutlich gemindert. Außerdem geben die beigefügten Fahrzeugtypenlisten Aufschluss, ob der Kindersitz für das entsprechende Fahrzeug geeignet ist.
Unser Tipp:
Orientieren Sie sich an den Testurteilen aber nicht nur am Gesamturteil sondern eher an den Kategorien Sicherheit beim Front- und Seitencrash.
Die anderen Kriterien, wie Komfort, Bedienung und Anleitung, die mit in die Endbewertung einfließen, sind eher subjektiv und hängen sehr vom Verständnis des „Einbauers“ ab.
Entscheidend ist, dass das KRS in Ihrem Fahrzeug sicher zu befestigen ist und dass Sie damit zu recht kommen. Deshalb ist ein Probeeinbau im eigenen Fahrzeug unbedingt erforderlich.
Noch eine Anmerkung zu Kindersitzen für die Größeren in der Gr. 2 und 3, bei denen die Rückenlehne ab einem gewissen Gewicht entfernt werden darf.
Wie üblich hat ein solches Modell, aufgrund des bei entfernter Rückenlehne fehlenden Seitenschutzes mit mangelhaft abgeschnitten.
Viele Kindersitzhersteller untersagen deshalb in ihren Bedienungsanleitungen das Abnehmen der Rückenlehne, obwohl es technisch einfach möglich ist.
Oft ist aber eine reine Sitzerhöhung für viele Eltern die einzige Möglichkeit um der „Kindersitzbenutzungspflicht“ nachzukommen. Denn für viele Kids, knapp unter 150 cm, sind die Systeme mit Rückenlehne einfach zu klein und zu eng.
Ein Lösungsansatz wäre. für die Sitzerhöher ohne Lehne eine neue Gewichtsgruppe (z.B. Gruppe IV (ab 28 kg).zu definieren. Damit wäre auch der oftmals vorgenommene viel zu frühe und kritische Umstieg von der Gruppe 1 auf eine Sitzerhöhung ohne Seitenschutz nicht mehr möglich.
Kommentar zum Kindersitztest vom Oktober 2008
Erstmals führten Stiftung Warentest, ADAC und andere im gleichen Jahr einen zweiten Kindersitztest durch. Nochmals wurden 10 Kindersitze unter den gleichen Bedingungen wie im Juni auf einem Gurtschlitten mit aufgesetzter Astra Karosserie im Front- und Seitencrash getestet.
Einige dieser Modelle sind schon länger auf dem Markt und es war deshalb sehr verwunderlich, warum sie nicht schon beim großen Test im Juni dabei waren. Aber auch neue Systeme wurden jetzt unter die Lupe genommen, darunter auch mit dem Baby Safe Sleeper eine quer zur Fahrtrichtung auf der Fahrzeugrückbank zu montierende Wanne, in der das Baby absolut flach liegend befördert wird.
Während bei früheren Tests diese Babywannen / Kinderwagenaufsätze eher schlechte Bewertungen bekamen, erzielte der "Sleeper" sowohl beim Seiten- wie auch beim Frontcrash durchweg gute Ergebnisse. Vom Hersteller wird diese Wanne besonders als für "Frühchen" geeignet beworben. Dieser Meinung schließt sich auch der ADAC in der "motorwelt" 11/08 an.
Hierzu sollte man allerdings wissen, dass beim Test Dummies benutzt werden, die definitiv nicht dem Gewicht und den Maßen eines Frühchens entsprechen (der P 0 Dummy wiegt 3,4 kg / der P 3/4 Dummy 9 kg), vgl. auch unsere Hinweise zu "Frühchen"
Weiterhin ist diese Wanne nur für Kinder bis 10 kg zugelassen. Wer also glaubt mit dieser Wanne auf ein weiteres rückwärts gerichtetes System verzichten zu können, begeht unserer Ansicht nach einen Fehler. Sind die Kleinen nämlich für den Sleeper zu groß geworden, ist es für den Umstieg in ein vorwärtsgerichtetes System noch viel zu früh. Es muss also danach doch noch eine herkömmliche Babyschale oder ein anderes rückwärts gerichtetes System angeschafft werden.
Weiterhin empfehlen wir dringend den Ein- und besonders den Ausbau der Wanne im eigenen Fahrzeug zu testen.
Kommentar zum Kindersitztest Juni 2008
Wie schon in den vergangenen Jahren veröffentlichten Ende Mai ADAC und Stiftung Warentest ihren großen Kindersitztest 2008.
Bereits im April waren im Heft 10 der Auto-Motor-Sport (ams) die Resultate von 10 getesteten Kindersitzen nachzulesen.
Die Tests von ams und StiWA / ADAC lassen sich nur schwer vergleichen. da leider wieder unterschiedliche Prüfbedingungen zugrunde lagen (verschieden schwere Dummies, unterschiedliche Fahrzeuge, ams verzichtete auf den Seitencrash).
Bei den Tests werden Fahrzeugrohkarossen (Golf 5 bei ams / Astra bei ADAC / StiWA) auf Gurtschlitten montiert und gegen eine Barriere gefahren. Um die dadurch fehlende Knautschzone zu simulieren werden die Gurtschlitten beim Aufprall mechanisch verzögert. Aus diesem Grund lassen die angegebenen Geschwindigkeiten von 50 km/h bzw. 64 km/h noch keine Schlussfolgerung zu, welche Kräfte auf den Dummie tatsächlich einwirken. AMS gibt 33g an, StiWA spricht von einem an "Euro - NCAP orientierten Schlittenimpuls", ohne eine "g-Zahl" zu nennen.
Nach welchen Kriterien bei ADAC und StiWA die Testprobanten ausgewählt wurden, ist schwer nachzuvollziehen, denn laut StiWA wurden Ende Januar die Sitze für den Test gekauft, obwohl die Kiddy Modelle Comfort Pro und Discovery Pro laut Hersteller Homepage erst im Juni auf den Markt kommen
Längst in den Geschäften war zum Einkaufszeitpunkt der deutlich veränderte Nachfolger des erfolgreichen Römer King Plus TS. Das aktuelle Römer King Plus Modell wurde aber nicht ausgewählt.
Dafür wurden mit dem Storchenmühle Ipai und dem Recaro Monza zwei nahezu baugleiche Systeme desselben Herstellers getestet, die Iso-Fix Varianten der beiden Modelle unbegreiflicherweise aber weggelassen.
Ein Wort zum Luftikid, der in erster Linie wegen des schlechten Seitenschutzes durchfiel. Dieses System hat als einziges von allen Testkandidaten eine Zulassung für den Fahrzeugbeckengurt. Wie die Anfragen bei uns immer wieder belegen, sind aber noch viele auf solche Kindersitze angewiesen (Eltern mit mehreren Kindern, Besitzer älterer Fahrzeuge, Fahrgemeinschaften, Wohnmobilbesitzer ). Der Gesetzgeber fordert zwar die Verwendung von "2-Punkt-Gurt tauglichen" Rückhaltesystemen - nur die Kindersitzhersteller bieten kaum noch welche mehr an.
Kommentar zum Kindersitztest 2007
Ende Mai 2007 erschien der diesjährige Kindersitztest von ADAC, ÖAMTC, Stiftung Warentest u.a.
Das Positive vorweg. Nur ein Kindersitz fiel wirklich durch - und das durchaus nachvollziehbar. Beim
Teamtex Newfix SP, einem System für die Gr. 1, 2 und 3, verlangt der Hersteller, dass die Rückenlehne abgenommen werden muss. Dann entspricht das System nur noch einer Sitzerhöhung, ohne Führung des oberen Gurtes und natürlich ohne jeglichen Seitenschutz.
Erstmals seit Jahren wurden für die Schlittenversuche ein anderes Fahrzeug (Opel Astra anstatt Golf 4) und andere Testdummies verwendet.
Zum ersten Mal wurde auch von Stiftung Warentest und ADAC ein "sehr gut" vergeben und zwar für die Babyschale Cabriofix mit Easyfix als Basis. Warum der Cabriofix allerdings bei der Alternativmontage ohne Basis mit dem 3-Punkt Gurt nur noch befriedigend bekommt und somit deutlich schlechter abschneidet wie der Concord ION oder der Maxi-Cosi Citi ist schwer nachvollziehbar, zumal der nahezu identische Cabrio im Test 2004 noch ein "gut erhielt".
Manche Isofix Systeme dürfen nur zusammen mit einem dritten Befestigungspunkt (Top Tether) verwendet werden bzw. erreichen nur dadurch eine bessere Bewertung. Serienmäßig gibt es auch beim Testfahrzeug diese Möglichkeit nicht. In der Bedienungsanleitung eines 5-türigen Astras, Baujahr 2005, z.B. findet sich überhaupt kein Hinweis hierzu. Die wenigsten Fahrzeuge sind überhaupt mit einem Verankerungspunkt für diesen Top Tether ausgerüstet.
Sehr positiv der Hinweis von StiWa, bei den höhenverstellbaren Gr. 2 / 3 Sitzen die Fahrzeugkopfstütze einzustellen oder ganz zu entfernen, wenn dadurch der Kindersitz besser platziert werden kann.
Deutlich verschlechtert hat sich der Kindersitz Maxi-Cosi Tobi. Im letzten Jahr noch mit einem gut (2,0) Testsieger , erreichte er jetzt im Astra nur noch ein befriedigend (2,8). Ebenso fiel der HTS Izi Comfort von gut (Test 2003) auf ein "befriedigend" zurück und ähnlich erging es dem Solution von Cybex. Besser dagegen machte es der Storchenmühle Starlight. 2005 noch mit einem ausreichend (3,6) beurteilt, erzielte er im Test 2007 ein befriedigend.
Davon ausgehend, dass diese unterschiedlichen Testergebnisse auf den geänderten Bedingungen (anderes Testfahrzeug / andere Testpuppen) beruhen, schmälert dies natürlich die Aussagekraft eines Kindersitztests. Den Fahrzeugtyp Opel Astra gibt es seit vielen Jahren und die Testergebnisse beziehen sich natürlich nur auf das derzeit aktuelle Modell.
Dadurch wird aber klar aufgezeigt, dass kein Kindersitz gleich gut in jedem Fahrzeug schützt.
Natürlich ist es nicht möglich einen Test in jeder Fahrzeugkarosse durchzuführen. Aber für den Verbraucher ist es unerlässlich, den in Frage kommenden Kindersitz vor dem Kauf in seinem Fahrzeug zur Probe einzubauen.
Was komplett fehlt, sind Systeme. die auch mit dem Fahrzeugzweipunktgurt (Beckengurt) befestigt werden können.
Leider lassen immer weniger Kindersitzhersteller ihre Modelle für diese Montageart zu und es wäre zu wünschen, dass die Testinstitute dieses Thema endlich aufgreifen würden. Denn diese Systeme werden durchaus noch benötigt, wie die vielen Anfragen an uns belegen.
Und wer in seinem Fahrzeug kein ISO-Fix hat oder aus anderen Gründen nicht darauf zurückgreifen will, findet in der Gruppe 1 fast nur befriedigend bewertete Systeme Ein "gut" wurde für diese Sitze, die mit den Fahrzeuggurten montiert werden, nämlich nur einmal vergeben.
Ist dies ein Versuch, den Verbraucher mehr in Richtung ISO-Fix zu bewegen? Schön wäre es. Denn schon aufgrund der geringeren Fehlbedienungsmöglichkeiten sind ISO-Fix Systeme den meisten Kindersitzen mit 3-Punkt-Gurt Montage überlegen.
Kommentar zum Kindersitztest 2006
Einige Tage vor dem Erscheinen der ADAC-Motorwelt 06/2006 konnte man schon im Internet die Testergebnisse (dort sind sie auch viel ausführlicher dargestellt, während die "Motorwelt" des ADAC diesem Thema nicht mal 2 DINA4 Seiten widmet) abrufen. Im Internet zog der ADAC das Fazit "Ergebnisse 2006: Kindersitze immer besser". Da verwundert es schon, wenn im Heft plötzlich von "Schlechten Noten für Kindersitze" gesprochen wird.
Wie ist nun der gemeinsame Test 2006 von ADAC, ÖAMTC , Stiftung Warentest (StiWa) und vielen anderen zu bewerten?
Die Testkriterien blieben unverändert, ebenso die Testkarosse.
Es fällt auf, dass doch einige der getesteten Kindersitzsysteme ziemlich unbekannt und auf dem deutschen Markt in den Fachgeschäften kaum zu bekommen sind. Trotzdem ist natürlich nie ausgeschlossen, dass solche Kindersitze, z.B. übers Internet, gekauft werden
Dafür kamen andere, gängige Systeme, wie z.B. der Storchenmühle TWIN ONE, der auf das gleiche ISO-Fix Basisgestell aufsetzt wie der TWIN 0 Plus, leider nicht zum Zuge. Vermutlich war dieser Gr. 1 Sitz zum Zeitpunkt des Einkaufs von StiWa / ADAC im Feb. 2006 noch nicht verfügbar.
Offensichtlich verfügbar war allerdings die Babyschale Kiddy Maxi SPP, die vermutlich ab der 25 KW (19.Juni 2006) in den Handel kommt.
Schon in der Vergangenheit fiel des Öfteren auf, dass Systeme vertreten waren, die erst Monate nach der Veröffentlichung der Ergebnisse zu kaufen waren. (Beim Test 2005 veröffentlichte der ÖAMTC im Juni 05 das Ergebnis des Maxi-Cosi Priorifix - der Sitz kam dann letztlich im Dezember 2005 auf den Markt).
Wie funktioniert das, nach welchen Kriterien wählen die Tester aus?
Einen deutlichen Qualitätssprung nach oben machte auf jeden Fall der Kindersitz Storchenmühle Starlight SP. Vor einem Jahr noch noch mit ausreichend (Note 3,6 bei StiWA) bewertet, erzielte er diesmal mit 2,7 die Note befriedigend. Soweit wir informiert sind, wurde an dem Sitz außer der etwas einfacheren Gurthöhenverstellung nichts verändert.
Für den Römer Kid Plus 06 und den Concord Lift Evo PT gab's jeweils ein "gut". (Römer: Note 2,0 / Concord: Note 1,8). Diese Note setzt sich aus verschiedenen Einzelkriterien zusammen und hier war bei StiWA der Römer Kindersitz leicht im Vorteil. Wie sich dann trotzdem das etwas schlechtere Gesamtergebnis erklärt, bleibt wohl das Geheimnis des Testers.
Zum Kindersitz Jané Indy Plus bleibt anzumerken, dass der Kindersitz durchaus auch in Fahrzeugen ohne Iso-Fix mit dem normalen Fahrzeugdreipunktgurt benutzt werden kann. Es ist somit nicht richtig, dass die Montage zwingend mit Iso-Fix vorgeschrieben ist.
Endlich stellt StiWa auch heraus, dass das Alter des Kindes für den Wechsel in die nächst höhere Gewichtsgruppe völlig unerheblich ist und dass es neben dem Gewicht vielmehr auf die Körpergröße ankommt. Wer genau liest, erkennt auch, dass StiWa auf unterschiedliche Größen bei den Babyschalen aufmerksam macht (dass es hier gewaltige Unterschiede gibt, haben wir schon vor Jahren hier unter "Vergleich Babyschale" dokumentiert).
Weiterhin empfiehlt StIWa, bei Systemen der Gruppe 2 / 3 mit Rückenlehne die Kopfstütze des Fahrtzeugsitzes gegebenenfalls zu entfernen, wenn die Lehne des Kindersitzes an der Kopfstütze anstößt.. Dieser an sich richtige Tipp ist aber leider nicht immer umsetzbar. In verschiedenen Fahrzeugen kann nämlich die Kopfstütze gar nicht entfernt oder gedreht werden.
Letztlich gibt der ADAC noch die Empfehlung, sich vor dem Kauf von einem Fachmann zeigen zu lassen, wie der Sitz richtig eingebaut und wie das Kind angeschnallt werden muss.
Nur, wo man diesen Fachmann findet bzw. an was man ihn erkennt, das verrät der ADAC leider nicht.
Kindersitztest der Autobild vom 31.03.2006, Heft 13
Eigentlich wollten wir uns nur noch auf die Testversuche von ADAC, Stiftung Warentest und Auto-Motor-Sport konzentrieren. Der aktuelle Test von Autobild ist aber unseres Erachtens so fragwürdig, dass er nicht unkommentiert bleiben soll.
Es ist bekannt, dass aufgrund von Fehlbedienungen ("misuse") viele Kinder nicht richtig gesichert sind. Verantwortungsvolle Eltern wissen auch sehr genau, dass "Billigstprodukte" keinen optimalen Schutz bieten können. Deshalb ist die Aufregung über die schlechte Qualität eines 5 Euro Sitzkissens nicht nachvollziehbar.
Auch nicht wirklich neu ist die Tatsache, dass bei entsprechend missbräuchlicher Verwendung jeder, also auch der "beste" Kindersitz, einen großen Teil seines Sicherheitspotentials einbüßt. Nicht umsonst liegen den Systemen ausführliche Bedienungsanleitungen bei
Wird ein Kindersitz falsch benutzt, lässt dies noch lange keine Aussage über die Qualität des Systems an sich zu.
Ein Maxi-Cosi Rodi z.B., hier bei Autobild mit ungenügend "bestraft" wurde beim Test von Stiftung Warentest 2002 (Heft 6 aus 2002) noch mit "befriedigend" bewertet, wobei der damals noch fehlende Seitenaufprallschutz zur Abwertung geführt hatte.
Zu den 6 getesteten Kindersitzen gibt es bei Autobild einen Kurzbericht sowie Angaben, in welchen Gewichtsgruppen das System jeweils benutzt werden kann.
Bis auf die Angaben zum Römer Zoom sind alle falsch oder unvollständig.. Ein Concord Lift darf niemals schon ab 9 kg benutzt werden. Das gleiche gilt für das einfache Sitzkissen und den Maxi-Cosi Rodi. Diese 3 Systeme sind tatsächlich zugelassen für die Gr. 2 und 3, also von 15 kg bis 36 kg.
Die gezeigten Gr. 1 Sitze sind auf jeden Fall nicht nur bis 15 kg sondern bis 18 kg zugelassen.
Hier hätte Autobild ein bisschen sorgfältiger recherchieren müssen oder einfach mal aufs Label der Sitze schauen sollen.
Fazit:
Nach unserer Erfahrung sind Gruppe 1 Kindersitze weitaus eher "misuse" anfällig wie Systeme der Gruppen 2 / 3. Aufgrund der aufwendigeren Konstruktion ist hier auch eher ein Verschleiß bei gebrauchten Modellen zu erwarten wie bei den Sitzen für die "Größeren".
Und wer "misuse" anprangert, sollte durch so fehlerhafte Angaben nicht erst recht für "Misuse" sorgen.
Kommentar zum Kindersitztest 2005
Der schon traditionelle Kindersitztest von ADAC, Stiftung Warentest, ÖAMTC (www.oeamtc.at) und vielen anderen Instituten wurde in den Juni Ausgaben von ADAC und Stiftung Warentest veröffentlicht, wobei der ADAC diesem wichtigen Thema leider nur eine einzige Seite widmet, obwohl sich - Auszug aus der ADAC Motorwelt - "seit dem letzten Test vom Juni 2004 einiges getan hat."
Beachtenswert ist unserer Meinung nach die Empfehlung im ADAC Artikel:
"Wegen der 5 mal geringeren Halsbelastung sollten Kleinkinder mit zarter Halsmuskulatur in einer gegen die Fahrtrichtung eingebauten Babyschale so lange belassen werden bis der Kopf des Kindes den oberen Schalenrand erreicht hat. Erst dann sollte in einen vorwärts gerichteten Sitz umgestiegen werden"
Ob das Kind zum Zeitpunkt des Umstiegs schon sitzen kann, ob es sich um eine kleinere Babyschale handelt (vgl. hierzu www.kvw-mhm.de/kindersitz/Vergleich_Babyschale.htm) oder auch die gesamte Entwicklung des Kindes scheint dem ADAC nicht weiter erwähnenswert. In der Praxis zeigt sich allerdings sehr oft, dass Kinder mit dem Köpfchen den Rand der Babyschale erreicht haben, ohne von ihren Voraussetzungen bereits in Fahrtrichtung sitzen zu können.
In einem solchen Fall sollte unbedingt weiterhin noch ein rückwärtsgerichtetes System benutzt werden.
Leider gehen die Tester auch nie auf Größenunterschiede bei den einzelnen Sitzen ein. So ist es doch ganz entscheidend wie lange ein Kind in seinem Sitz verbleiben kann, ohne dass ein zu früher Umstieg in die nächste Gewichtsklasse erfolgen muss. Und leider halten sich unsere Kinder auch meistens nicht an die von der ECE-Prüfnorm festgelegten Größen und Gewichte
Insgesamt positiv ist, dass es, im Gegensatz zum Test vom Januar 2005, keine wirklichen "Durchfaller" gab.
Getestet wurde wieder, wie im Vorjahr, auf einer Golf 4 Karosserie. Der Römer Duo Plus Isofix erhielt hierbei mit 1,7 (Stiftung Warentest) die beste Note. Erreicht wurde diese Verbesserung zum Vorjahr, weil diesmal als dritter Befestigungspunkt (neben der eigentlichen ISOFIX Anbindung), der Top Tether, verwendet wurde.
Tatsächlich verfügt der Golf 4 aber gar nicht über diese Möglichkeit diesen zusätzlichen Spanngurt zu benutzen. Der DUO ISOFIX ist in diesem Pkw fahrzeugspezifisch zugelassen und wird nur mit ISO-Fix montiert.
Wer sich die Mühe macht, wird unter www.adac.de/tests/Kindersitze/kindersitze_2005 zu jedem getesteten Kindersitz interessante Anmerkungen finden.
So z.B. hat der Ultimax von Concord eine sehr leicht verständliche Bedienungsanleitung. Gleichzeit besteht aber auch angeblich die große Gefahr der Fehlbedienung. Wie passt dies zusammen??
Beim Wavo / Bimbo Fix wird der aufwendige Sitzeinbau bemängelt. Das können wir nicht nachvollziehen - innerhalb einer Minute sind sowohl das Basisgestell wie auch der Sitz selbst montiert
Interessant ist auch die im Internet bei ADAC und ÖAMTC nachzulesende Interpretation des Testergebnisses vom gleichen Sitz. Der ADAC bescheinigt dem Wavo / Bimbo Fix geringe Belastungswerte im Front- und Seitencrash. Der ÖAMTC dagegen stellt beim Frontcrash erhöhte Belastungswerte fest. Die Stiftung Warentest sieht das Verhalten des Sitzes beim Frontcrash als "befriedigend" an. Einen ungünstigen Gurtverlauf stellen wiederum ADAC und ÖAMTC festf. Tatsächlich wird bei der ISO-Fix Montage der Fahrzeuggurt überhaupt nicht benötigt.
Da erscheint uns die Montage des Römer DUO ISOFIX zusammen mit Top Tether doch etwas umfangreicher (von der Gefahr der Fehlbedienung mal abgesehen - wenn nämlich der Gurt entweder gar nicht benutzt wird - bzw. nicht richtig angespannt ist).
Voraussetzung für die problemlose Montage aller ISO-Fix Systeme ist natürlich, dass die Anbindungen im Fahrzeug einfach zu erreichen sind. Und dies ist keineswegs bei allen Pkw der Fall. Bei machen Fahrzeugen muss sogar das Polster aufgeschnitten werden.
Vielen Modellen wird "vorgeworfen", dass die Sicht des Kindes nach außen leicht beeinträchtigt ist. Solche Anmerkungen sollten besser unterlassen werden, denn sie können dazu verleiten, Kindersitze zu verwenden, deren Seitenwangen nicht weit vorgezogen sind und die somit nicht diese Schutzwirkung haben.
Noch einige Randbemerkungen:
Stiftung Warentest gibt das Gewicht des Concord Ultimax mit 6,1 kg an. Da war wohl die Waage kaputt. Tatsächlich wiegt der Sitz mehr als das Doppelte (was aber keinen Nachteil darstellt)
Stiftung Warentest gibt in einer Tabelle auch die Namen der Modelle an, die in den Jahren 2003 und 2004 mit gut bewertet wurden. Offensichtlich ist hierbei ein Bild vertauscht worden. Aufgelistet wird der HTS BeSafe Izi Comfort - im Bild dargestellt aber der HTS BeSafe 1-2-3 Europe (der bekam "nur" ein befriedigend).
Und leider konnte man sich im deutschsprachigen Raum immer noch nicht auf eine einheitliche Bewertung einigen. Während ADAC und Stiftung Warentest für die Testsieger wieder ein "gut" vergeben, wird der gleiche Sitz vom ÖAMTC mit "sehr empfehlenswert" ausgewiesen. Und was in Deutschland als "befriedigend" gilt, ist dann in Österreich eben "empfehlenswert".
Kommentar zum Kindersitztest Januar 2005 ("Billigmodelle")
Im Januar 2005 veröffentlichte der ADAC einen Ergänzungstest zum eigentlichen Kindersitztest vom Mai / Juni 2004.
Geprüft wurden insgesamt 9 Modelle aller Gewichtsklassen in der unteren Preiskategorie. Fünf wurden mit mangelhaft bewertet.
Da dieser Test vom ADAC als Ergänzung bezeichnet wird, gehen wir davon aus, dass auch unter den Bedingungen vom Vorjahr getestet wurde. (64 km Frontcrash und 50 km Seitencrash.) Diese Testbedingungen liegen somit weit über der gesetzlich vorgeschriebenen ECE-Norm (Frontcrash mit 50 km/h / kein Seitencrash).
Das Ergebnis überrascht keineswegs. Die "Testkandidaten", von denen wir übrigens keinen einzigen in unserer Ausstellung haben, sind uns nicht unbekannt. Sie werden oft über Handelsketten vertrieben und viele lassen sich nicht fest im Auto montieren und verfügen nicht über einen genügenden Seitenschutz.
Bestätigt wurde auch wieder unsere Meinung zu billigen Sitzerhöhungen ohne jegliche Gurtführung. Sie können unter dem Po des Kindes wegrutschen; dann gerät der untere Gurt in den Bauchbereich, der obere an den Hals. Und dass diese Systeme keinen Seitenschutz aufweisen, versteht sich von selbst.
Fazit: Auch wenn die gesetzlich vorgeschriebene Forderung mit diesen Sitzen gewährleistet ist, sollte man im Interesse der Sicherheit des Kindes etwas mehr investieren.
Kommentar zum Kindersitztest 2004
Wie schon im Vorjahr veröffentlichten ADAC und Stiftung Warentest Ende Mai bzw. Anfang Juni die Ergebnisse ihres diesjährigen gemeinsamen Kindersitztestes (ADAC: und Stiftung Warentest jeweils im Heft 06/2004). An diesem Kindersitztest waren, ebenfalls wie im Vorjahr, auch viele andere europäische Organisationen beteiligt, darunter natürlich auch der österreichische ADAC (ÖAMTC). Es bleibt anzumerken, dass besonders der Testbericht in der ADAC Motorwelt sehr spartanisch ausfällt. Erläuterungen und Details zu den Testergebnissen sucht man vergeblich - der ADAC verweist auf seine Internetseite.
Und wer nun einen Kindersitz erwirbt und sich zuvor die Ergebnisse des ÖAMTC (österreichischer ADAC) als Kaufentscheid herangezogen hatte, kauft zumindest subjektiv einen besseren Kindersitz als derjenige, der sich auf ADAC oder Stiftung Warentest bezieht. Denn ein "empfehlenswert" vom ÖAMTC klingt doch viel besser als ein "befriedigend".für den gleichen Sitz vom ADAC oder der Stiftung Warentest. Wann endlich werden die Bewertungen angeglichen?
Insgesamt gab es keine echten Ausreißer - d.h., selbst der am schlechtesten bewertete Sitz erhielt noch ein ausreichend. Die Testkriterien entsprachen denen des Vorjahres. (Test auf einem Gurtschlitten mit Golf IV Karosse).
Trotzdem bleiben wieder einige Fragen offen:
Die Beurteilung des Wavo Fix, der in der Sicherheitsprüfung ganz vorne landete, aber infolge möglicher "Misuse"-Gefahr deutlich abgewertet wurde, können wir nicht recht nachvollziehen. Dieser Kindersitz, samt ISO-Fix Gestell, wurde uns vom Hersteller für unser Beratungszentrum zur Verfügung gestellt und inzwischen in vielen Fahrzeugen mit ISO-Fix zur Probe eingebaut und die Kinder im Sitz angegurtet. Hierbei kam es nie zu Problemen mit dem zentralen Gurtversteller und auch zu keinen Schwierigkeiten beim Anspannen der integrierten Gurte.
Nach dem Test wollten wir die geschilderte Problematik nachvollziehen und haben den Bezug entfernt und wieder angebracht. Auch hierbei hatten wir keine Probleme.
Und noch einige kritische Fragen bzw. Bemerkungen zu diesem Test.
Der Wavo Fix taucht zweimal im Test auf - er wurde einmal mit dem ISO-Fix Gestell montiert und dann mit den Fahrzeuggurten. Einmal wird das Einsteigen / Anschallen mit gut und dann mit befriedigend bewertet. Wie kommt das beim genau gleichen Sitz?
Nur als Fußnote ist beim Wavo Fix vermerkt, dass bereits seit Mai 2004 der Zugang zum Zentralgurtversteller nach Angaben des Anbieters geändert ist, womit die beanstandete Misuse-Gefahr wohl nicht mehr gegeben gewesen wäre. Beim Wavo Kind fehlt diese Fußnote.
Bein Test im Vorjahr wurde das Gurtschloss moniert.. Das Schloss wurde inzwischen vom Hersteller ausgetauscht. Das Problem mit dem Zentralgurtversteller fiel offensichtlich damals nicht auf.
Insgesamt wurden 4 Babyschalen (natürlich alle in der Gr. 0 plus) mit gut bewertet. Drei von diesen wurden uns von den Herstellern freundlicherweise zur Verfügung gestellt. An der Qualität können wir nicht zweifeln aber schon beim Nebeneinanderstellen der 3 Schalen fielen uns Größenunterschiede auf, die, wenn das Baby recht groß ist, schon bald zu Problemen führen können. Näheres hierzu finden Sie hier:
Auf Seite 82 schreibt Stiftung Warentest, dass der Römer Duo der einzige ISO-Fix Sitz mit einer Freigabe für viele Fahrzeugtypen sei. Dies stimmt so nicht - der Wavo Fix ist laut Herstellerangaben (siehe www.mywavo.com) ebenfalls für eine breite Fahrzeugpalette zugelassen.
Beim Test 2003 wurde der Trimax von Concord mit ausreichend (4,2) bewertet. Grund war, dass das Sitzkissen auch alleine - also ohne die Rückenlehne verwendet werden kann. Beim HTS Besafe 1-2-3 (getestet 2004) kann ebenfalls die Rückenlehne abgenommen werden. Es reichte aber trotzdem noch zu einem befriedigend (3,5).
Recaro hat seinem Kindersitz "Start" geändert. Für die Kleinen von 9 - 18 kg ist jetzt ein Fangkörper erforderlich, durch den die Gurte geführt werden. Trotzdem kam es laut Test zu einem ungünstigen Beckengurtverlauf. Das war früher offensichtlich nicht der Fall, obwohl da schon Kinder ab 9 kg mit dem fahrzeugeigenen Dreipunktgurt gesichert werden durften.
Fazit:
Wie bereits oben erwähnt gab es bei den Systemen, die es in Österreich oder in Deutschland zu kaufen gibt, keine wirklichen "Versager". Stiftung Warentest veröffentlicht das Ergebnis von 16 getesteten Sitzen, beim ADAC waren es 17.
Laut ÖAMTC wurden aber insgesamt 27 Kindersitze getestet, wobei einige dieser Sitze aufgrund "erschreckender Mängel" durchgefallen seien. Da diese Systeme jedoch auf dem österreichischen Markt bislang nicht erhältlich waren, wurden hierzu auch keine Details veröffentlicht. (auch wir wissen nicht, um welche Anbieter und Modelle es sich handelt). Stiftung Warentest und ADAC machen ebenfalls keinerlei Angaben hierzu. Es besteht aber doch durchaus die Möglichkeit, dass über das Internet oder große Handelsketten auch diese Systeme auf den hiesigen Markt kommen. Somit wäre es doch hilfreich gewesen, vor diesen Modellen zu warnen. Dies wurde nicht getan. Warum???
In unserem Info-Zentrum werden die verschiedenen Kindersitze, die uns die Hersteller freundlicherweise zur Verfügung gestellt haben, täglich in die unterschiedlichen Fahrzeuge zur Probe eingebaut. Und verständlicherweise fragen unsere "Kunden" immer wieder nach den "Testsiegern" von ADAC und Stiftung Warentest. Somit sind diese Modelle logischerweise einer höheren mechanischen Belastung ausgesetzt und genau dieser waren sie im täglichen Gebrauch nicht immer gewachsen. Wir wollen damit keinesfalls die Qualität oder die Schutzwirkung dieser Kindersitze in Frage stellen sondern lediglich darauf hinweisen, dass auch die renommierten Testinstitute nicht alle Schwächen feststellen.
Kommentar zum Kindersitztest 2003
Die Testergebnisse von Stiftung Warentest und ADAC, beinahe zeitgleich veröffentlicht in den Heftausgaben 06/2003 fielen recht unspektakulär aus, d.h. die Ergebnisse der beiden "Tester" waren fast gleich. Das musste auch so sein, denn beide Institutionen führten die Tests zusammen mit noch vielen anderen Automobilclubs und Verbraucherorganisationen gemeinsam durch und deshalb wären unterschiedliche Endergebnisse auch kaum nachvollziehbar gewesen und hätten lediglich nur zur weiteren Verunsicherung der Verbraucher geführt.
Dies schaffte allerdings die Zeitschrift auto-motor-sport (ams), die in ihrem Heft 25 vom November 2003 ihren diesjährigen Kindersitztest mit insgesamt 8 getesteten Sitzen veröffentlichte. Obwohl weniger hart getestet (Frontcrash mit 50 Km/h gegenüber 60 Km/h bei Stiftung Warentest und ADAC - Seitencrash 23 gegenüber 25 km/h) fielen die Ergebnisse deutlich schlechter aus. Die Testsieger bei Warentest und ADAC, nämlich die Babyschale Babysafe von Römer sowie der Gr. 1 Sitz Izi von HTS, die beide mit der Note "gut" abgeschnitten hatten, bekamen bei ams nur noch ein "bedingt empfehlenswert. Die Gründe für die unterschiedlichen Testergebnisse sind sicherlich im Testverfahren zu suchen. Ams verwendet hier ein anderes wie die Stiftung Warentest und ADAC. Auf der Strecke letztlich bleibt der Nutzer, der durch diese Testergebnisse immer wieder aufs Neue verunsichert wird.
Soweit ams in diesem Test Systeme bewertet hat, die schon früher mal getestet wurden, haben wir dies in die Tabellen weiter unten auf dieser Seite eingefügt.
Aber auch wenn die ams in ihrem Artikel die grundsätzliche Schutzwirkung von Kindersitzen betont, hat dieser Test mal wieder zur Verunsicherung beigetragen.
Ein weiterer Schritt zur Harmonisierung von Warentest und ADAC findet sich in der Bewertung. Der ADAC vergibt jetzt kein "empfehlenswert oder "bedingt empfehlenswert" mehr sondern wie die Stiftung Warentest Schulnoten wie "gut" oder "befriedigend".
Auch haben ADAC und Stiftung Warentest (im Gegensatz zu ams) bei den Testversuchen ganz offenbar mehr die Praxis einbezogen, denn aus den Internetseiten des ÖAMTC ("der österreichische ADAC", der ebenfalls bei den Tests dabei war) geht hervor, dass mit den getesteten Kindersitzen über 700 Einbauversuche durch Laientester mit Kindern vorgenommen wurden. Das ist wichtig, denn ein Kindersitz soll sich auch von einer Person sicher befestigen lassen, die nicht so mit dieser Materie vertraut ist. Ebenso positiv ist, dass die Einbauversuche noch in anderen Fahrzeugen (2-türiger Ford Fiesta, 4-türiger Mercedes E und Opel Zafira) vorgenommen wurde. Der eigentlich Test wurde dann auf dem Prüfschlitten mit aufgebauter 4-türiger Golf IV Karosserie durchgeführt.
Schade aber, dass diese wichtigen Informationen nur auf den Internetseiten der Tester zu finden sind und nicht zusammen mit den Tests in den jeweiligen Publikationen veröffentlicht wurden.
Einige kritische Anmerkungen seien jedoch erlaubt.
Die für den Kindersitztest verwendeten Kindersitze wurde laut Stiftung Warentest im Februar und März 2003 eingekauft. Tatsächlich waren dann einige dieser Kindersitze erst im Juni in den Fachgeschäften erhältlich. Eine andere Babyschale, Maxi-Cosi Cabrio, die man bereits im Mai erwerben konnte, war beim Test von ADAC und Warentest aber nicht dabei (allerdings bei ams im November 03: Ergebnis: bedingt empfehlenswert - wie der Römer Babysafe)
Der Concord Trimax (9-18 kg) wurde abgewertet, weil angeblich laut Bedienungsanleitung Kinder über 4 Jahre ohne Kopf- und Rückenstütze transportiert werden sollen. Eine reine Sitzerhöhung ist, besonders beim Seitencrash, einem System mit Rückenlehne und seitlicher Abstützung natürlich unterlegen.
Tatsächlich empfiehlt Concord in der Bedienungsanleitung aber, dass die Sitzerhöhung mit der Rückenstütze des Lift Pro (diese ist einzeln erhältlich) nachgerüstet werden soll.
Der Römer Kid verdient sich sein gutes Testergebnis sicherlich - aber der gute Seitenschutz im Kopfbereich muss mit eingeschränktem Komfort bezahlt werden. Das Kind kann nämlich kaum mehr seitlich aus dem Fenster schauen. Viele Kinder beugen sich dann einfach vor und sind dann außerhalb der schützenden Seitenwangen. Beim Test kommt dies natürlich nicht zum Tragen, denn der Testdummy sitzt immer optimal.
Auch der Kiddy Life plus erhielt ein gutes Ergebnis. (nebenbei: bei ams im Jahr 2000 wurde er als Kiddy Life - ohne Fangkörper - mit "nicht empfehlenswert getestet). Aber auch hier sind durch den Fangkörper unter Umständen Komfortnachteile gegeben. Manche Kinder (sicherlich nicht alle) fühlen sich eingeengt und schwitzen stark (macht die Testpuppe natürlich nicht). Dieses "Unwohlfühlen" führt im Extremfall dazu, dass das Kind seinen Sitz ablehnt und ständig meckert, weint und quengelt. Dies wiederum "nervt" irgendwann den Fahrer und er begeht Fahrfehler.
Dies bedeutet nicht, dass wir von Fangkörpersitzen abraten, im Gegensteil: aufgrund der geringeren "Misuse-Gefahr" bieten sie sogar oft mehr Sicherheit als andere Systeme.
Die Sitzhersteller sind allgemein in einer schwierigen Lage. Ein Kindersitz soll optimal in jedes Fahrzeug passen, hervorragend schützen aber gleichzeitig dem Kind jeglichem Komfort bieten. Dazu muss die Montage noch so einfach sein, dass mögliche Einbaufehler ausgeschlossen sind. Diese Kriterien in einem Produkt zu vereinen scheint fast nicht machbar.
Abhilfe, zumindest was die immer noch sehr hohe Fehlerquote bei der Sitzmontage angeht, schafft hier ISO-FIX (nähere Infos hier auf unserer Site).
Neben dem Römer DUO Isofix war auch von Wavo der Isofix Kindersitz Wavo Fix / Bimbo Fix im aktuellen Test dabei. Wegen einer möglichen Fehlbedienung des Gurtschlosses konnte dies aufspringen. Der Sitz wurde deshalb abgewertet. Allerdings ist der Fehler inzwischen behoben, wie die Fa. Wavo auf ihrer Internetsite http://www.mywavo.com/kindersitze_tests.shtml angibt.
Sehr interessant zu diesem Thema ist allerdings auch die Stellungnahme des Gurtschlossherstellers
(www.van-riesen.de - unter "news" nachschlagen)
Fazit: Der diesjährige Kindersitztest von ADAC und Stiftung Warentest ist unserer Meinung nach eine brauchbare Entscheidungshilfe beim Kauf eines Kindersitzes. Leider hat die ams unsere Hoffnung nach endlich einheitlichen Testergebnissen wieder einmal zerschlagen.
Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 02. Juni 2010 um 09:32 Uhr


