Testergebnisse / Kommentare zu Kindersitztests


Kommentar zum Test von ADAC / Stiftung Warentest vom Juni 2014

Wir raten dringend, nicht nur das recht sparsam aufbereitete Endergebnis der Kindersitze in den gedruckten Medien zu beachten. Auf der Website des ADAC finden sich auch ausführlichere Details zu den Resultaten jedes einzelnen Sitzes.

Auffällig, erstmals war kein Fangkörpersystem unter den Kandidaten.

Auch dieser Test vermittelt wieder den Eindruck, dass die Diskussion „rückwärts / vorwärts“ als Nachfolgesystem zur Babyschale eigentlich gar nicht nötig sei. Mit den Modellen Römer Maxfix 2, Römer Dualfix, Axkid Duofix und Maxi Cosi 2WayFix/2Way Pearl waren nur vier  „Reboarder“ für größere Kinder (über 13 kg) unter den Testkandidaten und hiervon wiederum sind nur der Dualfix und das nach I-Size zugelassene Maxi-Cosi Modell wirklich neu.

Maxfix 2 wurde schon 2013 unter dem Namen Maxfix getestet und wegen erhöhter Schadstoffe trotz sonst guter Ergebnisse deutlich abgewertet. Das Schadstoffproblem  ist inzwischen gelöst. Ansonsten sind die Unterschiede zwischen Maxfix und Maxfix 2 marginal.
Der Axkid Duofix entspricht bis auf wenige, kleine Veränderungen dem Axkid Kidzofix, bei dem 2013 die Isofix Konnektoren versagt hatten. Auch dieser gravierende Mangel ist jetzt behoben. Ebenso absolut baugleich sind Concord Air (Test 2013) und die jetzt getestete Concord Airsafe.
Rückwärts gerichtete Systeme, die nicht mit Isofix sondern nur mit dem Autogurt und Zusatzgurten befestigt werden, finden leider keine Berücksichtigung. Die Montage wird offenbar als zu schwierig und damit zu fehleranfällig angesehen.
Sehr Interessant wäre ein Test des preisgünstigen Isofix Sitz Varioguard (Gruppe 1 vorwärts und rückwärts) von der Firma Hauck  gewesen.

Viele Betroffene stellen sich die Frage, ob die Anschaffung eines teuren Reboardsitzes  bei diesen Testergebnissen lohnt, wo doch vorwärts gerichtete Sitze deutlich günstiger sind und dazu gut getestet werden.


Aber Achtung:
Kinder sollten möglichst lange (bis mindestens 2 Jahren) rückwärts fahren. Da sind sich alle Experten einig.
Die Verwendungsdauer gibt der ADAC mit bis zu 18 Monaten, StiWa sogar bis 24 Monaten an (Quelle: Test 6/2010, S. 85) . Das wären dann sogar drei bzw. neun  Monate länger als von der neuen I-Size Regelung vorgesehen.
Nebenbei: I-Size hat u.a. das Ziel, Kinder länger als hierzulande üblich entgegen der Fahrtrichtung zu befördern; also den zu frühen Umstieg aus der Schale ins nächste System zu verhindern.

Unter der Voraussetzung, dass ein Baby bis mindestens 18 Monaten rückwärts in der Babyschale verbleibt und dann i.d.R. auch stabil sitzen kann, wäre der Umstieg in ein vorwärts gerichtetes System laut den Testern vertretbar.


ABER:  Bis 18 oder gar 24 Monate in der Babyschale? Das geht, wenn man die Maße des verwendeten Testdummys zu Grunde legt, der einem ca. 1½ jährigen Kind entsprechen soll. Tatsächlich sind die Kinder heute tendenziell größer und deshalb passt ein normal entwickeltes Kind mit 18 Monaten oder mit 13 kg Gewicht nur noch ganz selten in eine Babyschale, wobei es auch unter den Schalen deutliche Größenunterschiede gibt..
Dazu kommt, dass die Kleinen in den Schalen sehr oft unruhig sind und quengeln, was aber nicht am „Rückwärts fahren“ sondern an der tiefen Liegeposition liegt, in der sie nichts sehen können und ihnen langweilig wird.
Der Umstieg in einen Folgesitz wird in der Praxis also deutlich früher als mit 18 Monaten erfolgen müssen.


Warum schneiden Reboarder schlechter ab?

  • Die Endnote setzt sich aus mehreren Kriterien zusammen, wobei der Punkt „Sicherheit“ nur zu 50% mit einfließt (weitere Kriterien sind die Bedienung mit 40% und Ergonomie mit 10%).
    Erhöhte Schadstoffbelastung kann ebenfalls zur Abwertung führen.

  • Die Reboarder benötigen mehr Platz im Auto. Oft ist der vor dem Kindersitz befindliche Autositz nur noch eingeschränkt oder in Kleinwagen gar nicht mehr nutzbar.

  • Sie sind für den „Reboard“ Einbau optimiert, viele können aber auch vorwärts gerichtet eingebaut werden. Ist ein Sitz für mehrere Gewichtsklassen / Einbauarten zugelassen, werden auch alle Verwendungsmöglichkeiten getestet. Das Endresultat ergibt sich aus dem schlechtesten Einzelergebnis.

  • Ohne Isofix ist der Einbau schwieriger, in manchen Fahrzeugen sogar unmöglich. Es werden zusätzliche Gurte benötigt, die irgendwo an geeigneter Stelle im Fahrzeug befestigt werden müssen. Ein komplizierter Einbau erhöht natürlich das Fehlerrisiko, was wiederum großen Einfluss auf die Schutzwirkung des Systems hat.

Diese Fakten sprechen aber nicht generell gegen die Verwendung und nicht gegen die Qualität eines Reboarders. Bei einem Probeeinbau und Probesitzen von Kind und Erwachsenen (wie von uns hier angeboten) lässt sich schnell feststellen, ob die Platzverhältnisse und das Handling für Kind und Eltern akzeptabel sind und somit ein größerer "Reboarder" als Nachfolger der Babyschale in Frage kommt.

Im Handel, besonders in den großen Ketten, werden „Reboarder“ nach wie vor selten angeboten. Das Verkaufspersonal zeigt sich mit diesen Systemen oft überfordert und schlecht geschult. Man greift lieber zum bewährten vorwärts gerichteten System. Hier ist der Einbau deutlich einfacher und weniger zeitintensiv.