Testergebnisse / Kommentare zu Kindersitztests


Kommentar zum Test von ADAC / Stiftung Warentest vom Juni
2013

Insgesamt positiv fällt der diesjährige gemeinsame Test von ADAC / Stiftung Warentest und anderen Verbrauchsorganistionen aus.

Ein besonderes Augenmerk verdienen Kindersitze der Gruppe 1, die als Folgesitz zur Babyschale noch rückwärts gerichtet, verwendet werden können.

Obwohl auch im Skandinavien gestzlich nicht vorgeschrieben werden dort Kinder oft bis vier Jahren in rückwärts gerichteten Kindersitzen befördert.
Bei uns erfolgt der Umstieg in ein vorwärts gerichtetes Systems dagegen oftmals zu früh.

Bedingt durch TV Reportagen, Presse und einschlägigen Internetforen setzt jetzt aber auch bei uns allmählich ein Umdenken ein und die Nachfrage nach diesen sogenannten "Reboardern" steigt.

Auch die Tester haben sich diesem Trend nicht verschlossen und einige rückwärts benutzbare Gr. 1 Systeme unter die Lupe genommen.

Es gewinnt jedoch mit der Note "sehr gut" ein vorwärts gerichtetes Fangkörpersystem in der Gruppe 1, obwohl beim Frontcrash die Belastung für die Halswirbelsäule  immer höher sein muss als iin einem "Reboarder".
Wirklich nachvollziehbar ist das Ergebnis daher nicht.

Möglicherweise liegt es aber an den von den Testern festgelegten Kriterien.
Das Gesamturteil setzt sich aus verschiedenen Faktoren zusammen. Die Unfallsicherheit bestimmt das Ergebnis nur zu 50 Prozent.
Die Rubrik "Unfallsicherheit" unterteilt sich wiederum in drei Kategorien (Frontcrash, Seitencrash, Sicherheit der Sitzkonstruktion).

Ein Kindersitz, der vorwärts und rückwärts einsetzbar ist und dabei noch mehrere Gewichtsgruppen umfasst, wird in jeder zulässigen Verwendungsart getestet. So ist es möglich, dass ein System (natürlich immer ein neuer Sitz) zehnmal gecrasht wird. Ergibt sich bei dieser Anzahl von "Schüssen" einmal ein "ausreichend" oder "befriedigend", schlägt dieses Ergebnis auf das Gesamtresultat Sicherheit durch, ohne dass der Verbraucher die einzelnen Details erfährt.

Als Beispiel nehmen wir den Klippan Triofix. Dieses finnische Modell (bei uns bislang nur Insidern bekannt) ist rückwärts von 9 - 18 kg zugelassen. kann aber auch in der Gr. 1 und 2 vorwärts gerichtet verwwendet werden. Die Montage erfolgt auf einer Basis, die mit Isofix oder alternativ auch mit dem Fahrzeugdreipunktgurt benutzt werden kann. Darüber hinaus hat der Triofix sogar die Zulassung in der Gruppe 3 (abweichend von den Angaben der Tester aber ohne die Isofix Basis).
Die Verwendung in dieser Gruppe ist allerdings unsinnig und schlechthin nicht möglich. Dafür ist der Sitz zu eng. Dagegen ist die Benutzung für Kinder bis 25 kg gut möglich.
Aber diese Zulassung bedeutet natürlich, dass auch entsprechend getestet wird und da könnten die Ergebnisse schlechter gewesen sein. Dies wiederum führt dann zur Abwertung.

Ob das schwächere Abschneiden beim Seitencrash in der Gruppe 1 aus dem Testversuch vorwärts oder rückwärts gerichtet resultiert, lässt sich aus den Erläuterungen leider nicht entnehmen.


Rückwärts gerichtete Kindersitze gibt es für die Montage mit Isofix oder mit dem Gurt. Zu bevorzugen sind sicherlich die Iso-Fix Varianten.

Allerdings haben noch längst nicht alles Fahrzeuge Isofix Anbindungen, weswegen nur eine Gurtvariante in Frage kommt. Diese Gurtsysteme benötigen aber nicht nur den Fahrzeuggurt sondern noch Zusatzgurte (sind beim Kindersitz dabei), die an einer geeigneten Stelle im Fahrzeug angebracht werden müssen.
Diese aufwendigere Montage führt dazu, dass die Systeme von den Testern aufgrund der erhöhten "misuse" Gefahr von vorneherein abgelehnt werden, obwohl sie bei korrekter Verwendung ebenfalls sehr viel Sicherheit bieten.

Ein wirkliches Problem ist die Qualität der Beratung in den Fachgeschäften. Besonders mit Reboardern sind die meisten Verkäufer überfordert bzw. führen diese Produkte erst gar nicht im Sortiment.

Stiftung Warentest empfiehlt Kinder so lange wie möglich, mindestens aber bis 15 Monate in der Babyschale zu belassen. Laut ADAC können Babyschalen sogar bis 18 Monate verwendet werden. Gute Tipps aber in der Praxis nicht umsetzbar. Tatsächlich sind die meisten Kinder mit 15 Monaten bereits zu groß für die Babyschale und der Kopf hat den oberen Schalenrand erreicht (vgl. Größenunterschiede bei Babyschalen).

Ein anderes System, der Concord Air wurde trotz überzeugender Chrashtestwerte wegen der Schadstoffe im Bezug vom ADAC mit "befriedigend" bewertet. Der österreichische  ÖAMTC gab dem Kindersitz dagegen ein "gut"...!!!
Dass der Tragebügel bei Verwendung umgeklappt werden muss, ist nicht richtig. (bei früheren Concord Modellen traf dies zu).

Entscheidend ist, dass ein getesteter Kindersitz nicht auseinander bricht, Isofix Verankerungen micht herausreissen, sonstige relevanten Teile zertstört werden.
Weiterhin sollte man beachten, dass die erreichten Crashtestwerte sich auf den Schlittenversuch mit einer Golf VI Karosserie beziehen. Diese Werte sind keineswegs 100% auf andere Fahrzeugtypen übertragbar.

Der vorherige Testeinbau vor dem Kauf bleibt nach wie vor unabdingbar.

In unserem Informationszentrum verfügen wir selbstverständlich über eine große Auswahl von Reboardern in der Gruppe 1.